Bad Herrenalb/Karlsruhe, (24.04.2026). Für die Landessynodalen der 13. Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden standen in dieser Woche auf ihrer Frühjahrstagung in Bad Herrenalb nicht nur die Beratungen in den Ausschüssen und den Plenarsitzungen auf dem Programm. Sie befassten sich in zwei Abendveranstaltungen auch mit der Rolle der Kirche in der Gesellschaft sowie abermals mit dem Thema sexualisierter Gewalt.
Landessynode debattiert über die Rolle der Kirche in der Gesellschaft
Themenabend zu sexualisierter Gewalt: Betroffene teilen ihre Texte über Verbrechen und Vertrauensbruch

Nach den Impulsen diskutierten die Landessynodalen im Plenarsaal an acht Tischen mit den Podiumsteilnehmern über die Rolle der Kirche in der Gesellschaft.
Quelle: ekiba / Stefan Herholz - eingebettet von www.ekiba.de

Synodalpräsident Axel Wermke begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Theologischen Abend, der im Rahmen der zwölften Tagung der 13. Landessynode stattfand.
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„Salz der Erde / Kirche in der Gesellschaft“: Mit diesem Titel war der öffentliche Theologische Themenabend am Donnerstag überschrieben, zu dem Synodalpräsident Axel Wermke das Plenum sowie die Podiumsgäste für einen dialogischen Austausch im Haus der Kirche begrüßte. Und Moderator Wolf-Dieter Steinmann gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den Abend die Grundfrage mit auf den Weg: „Was wollen wir, was können, was dürfen und was müssen wir als Kirche?“
Bevor an den acht Tischen im Plenarsaal intensiv über die Frage diskutiert wurde, wie sich Kirche in der Gesellschaft einbringen und so als Salz der Erde wirken kann, bereiteten die vier Podiumsgäste mit ihren Perspektiven das thematisch breit gefächerte Fundament für den Austausch.
Christlicher Klimaaktivismus
„Klimaaktivisten und Gesellschaft brauchen eine widerstandsfähige Hoffnung“, betonte Kristina Lallathin, die in Freiburg als Pfarrerin mit den Schwerpunkten Pop-up-Kirche und „Christians 4 future“ tätig ist. Der Höhepunkt der Klimabewegung vor sechs Jahren, als Tausende auf die Straßen gegangen sind, sei vorbei. Die Kirchen sind nicht so voll, die Innenstädte aber auch nicht, wenn heute zu einer Klimademo aufgerufen werde. „Das, was wir im Klimaaktivismus erreichen können, scheint nicht zu langen.“ Gerade deshalb brauche es eine Hoffnung, die widerständiger, die größer sei, um sich nicht wegzuducken. Christlicher Klimaaktivismus sei hier eine Chance, sich den großen Herausforderungen zu stellen, „ohne sich Überforderungen zu ergeben“.
Verständigungsorte als Auftrag
Ralph Hartmann, der seit Februar der Evangelische Beauftragter bei Landtag und Landesregierung ist, berichtete über seine ersten Erfahrungen in Stuttgart. „Es ist erstaunlich, welche institutionelle Wertschätzung wir als Kirche in der Landespolitik genießen“, betonte Hartmann. Aus seiner Sicht ist das Handeln das „Salz der Erde“, „das, was wir auf die Straße bringen“. Hier sieht der ehemalige Mannheimer Dekan die Aufgabe von Kirche im Zuhören und Versöhnen. „Wir müssen Menschen verbinden und Ambivalenzen aushalten.“ Mit Blick auf die zurückliegende Landtagswahl, bei der die AfD 18,8 Prozent erzielt hat, konstatierte Hartmann: „Wenn nur die Evangelischen gewählt hätten, wäre die Wahl genauso ausgefallen. Das erschreckt mich natürlich.“ Es sei wichtig zu wissen, „wie unsere Leute ticken“, um den Dialog zu führen. „Ich bin ein großer Fan von gemeinwesenorientierten Projekten wie Mittagstischen und Vesperkirchen. Ich sehe das Anbieten von Verständigungsorten als Auftrag für die kommenden Jahre.“
„Diese Art christliche Einheit habe ich zuvor noch nie erlebt“
Lisa Wolfe, Pfarrerin der Kansas-Oklahoma Conference der United Church of Christ (UCC) und derzeit als ökumenische Mitarbeiterin zu Gast in der Ekiba, legte ihre Erfahrung des ökumenischen Miteinanders in Baden dazu. In Offenburg habe sie einen ökumenischen Ostergottesdienst gefeiert, den Katholiken und Protestanten Seite an Seite gestalteten. „Diese Art christliche Einheit habe ich zuvor noch nie erlebt“, sagte Wolfe. „Ökumenisch heißt es bei uns, wenn unterschiedliche protestantische Gruppen zusammenkommen.“ Allerdings berichtete die Professorin für Altes Testament an der Oklahoma City University (OCU) auch von interreligiösem Engagement während der Proteste in Minneapolis gegen die ICE-Einsätze sowie von erfolgreichem Widerstand in Oklahoma.
„Unsere Einheit ist keine, die aus Einigkeit besteht.“
Landesbischöfin Heike Springhart blickte zum Start auf die Frage: „Wie leben wir gut zusammen in einer pluralistischen Gesellschaft?“ „Unsere Hoffnung kommt von Ostern. Wir können gut damit umgehen, dass sich Dinge radikal ändern.“ Die evangelische Kirche sei besonders gut darin, zu vermitteln. Denn: „Unsere Einheit ist keine, die aus Einigkeit besteht.“ Was den Unterschied mache, sei der Ton. „Wir haben einen Überschuss von Hoffnung zu bieten“, betonte die Landesbischöfin.
Raum für vertiefte Wahrnehmungen
Bereits am Mittwoch hatten sich die Landessynodalen erneut mit dem Thema sexualisierte Gewalt beschäftigt, diesmal im Rahmen einer Lesung. „Dieser Abend wird Raum geben für vertiefte Wahrnehmungen von Verletzungen und Reflexionen und dabei neue Schritte des Verstehens ermöglichen“, sagte Synodalpräsident Axel Wermke zur Begrüßung. Und in der Tat nahmen die drei Betroffenen ihre Zuhörerinnen und Zuhörer anschließend mit in einen Abend, der ununterbrochene Aufmerksamkeit und das Aushalten von Anspannung und Unruhe erforderte. Mit großer Offenheit teilten die Betroffenen ihre Texte und Musik, in denen sie sich mit dem Erlebten und Erlittenen, mit ihren Gefühlen und Erfahrungen auseinandersetzen. „Das war keine theoretische Auseinandersetzung. Wir haben heute Stimmen und Texte über Verbrechen und Vertrauensbruch gehört, und über Glauben und die Suche in der Gottesbeziehung. Danke für den Mut, den Einblick und die Offenheit“, sagte Wermke am Ende des Abends, der zum Schutz der Betroffenen nichtöffentlich stattfand.
Am Freitagnachmittag und Samstagvormittag folgen auf der letzten Tagung der 13. Landessynode die zweite und dritte öffentliche Plenarsitzung der Sitzungswoche. Mit einem Abschlussgottesdienst endet am Samstag die sechsjährige Legislaturperiode der 13. Landessynode.





